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Walter Minnich
  • Fritz Eduard Pauli
  • Walter Minnich, 1926

  • Radierung, Auflage: 13/30
  • 70.2 x 40.2 cm (Plattenmass)
  • signiert unten rechts: "F. Pauli", nummeriert unten links: "13/30"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 2006.77z
  • © Erben Fritz Pauli, Cavigliano
  • Jahr von: 1,926
  • Jahr bis: 1,926
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography

Die Kaltnadelradierung des in Montreux lebenden Arztes und Kunstssammlers Walter Minnich hat dem Dargestellten nicht gefallen. In einem Brief vom 10.3.1927 kritisiert er sie in der für ihn typischen Art des fürsorglichen Kenners und Förderers: "Wenn ich etwas auszusetzen habe, so ist es eine Kleinigkeit: Der rechte Arm ist zu schlaff, paralytisch, knochenlos geraten und die Hand, die vielleicht einen entscheidenden Schatten zu wenig hat und zu weiss wirkt, bildet zu sehr künstliche Holzhand." Er rät: "Dem kann jedoch mit Leichtigkeit durch Nachstechen und stärkere Betonung des inneren Armrandes (ich habe es auf der das Blatt deckenden Glasscheibe probiert) abgeholfen werden." Das Blatt befand sich nichtsdestotrotz in der umfangreichen Sammlung Minnichs. Mindestens 26 weitere druckgrafische Blätter Paulis hat der Sammler besessen. Sie gehörten nicht zu der 59 Werke umfassenden Schenkung an das Kunstmuseum Luzern, auch wenn sie hier zeitweilig deponiert waren.

Mit Fritz Pauli pflegt Walter Minnich in der Mitte der 20er Jahre einen ausgiebigen Briefkontakt. Anfang 1924 lautet die Anrede noch sehr förmlich "Sehr geehrter Herr Pauli". Die beiden treffen sich bald und Minnich versucht den Kontakt zu intensivieren. Wie viele andere von ihm geförderte Künstler – Max Pechstein, Moriz Melzer, Ferruccio Ferrazzi, Anton Faistauer oder Constantin Terechkovitch – lädt er auch Pauli zu sich nach Montreux ein. Er legt Wert darauf, seine Künstlerfreunde, anstatt sie im Atelier zu besuchen, in sein Leben einzubinden und so bittet er auch Pauli, zu ihm an den Genfersee zu kommen. Minnich geht es weniger um den Besitz qualitätvoller Kunstwerke als vielmehr um eine ganz persönliche Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Malern, die er als Kritiker und Mäzen intensiv begleitet. Er verbringt Nächte damit, ein neu erstandenes oder zur Ansicht eingetroffenes Werk zu studieren. Er verfolgt seine Künstler intensiv und unterhält regen Briefverkehr, solange bis das Interesse sich auf eine neue künstlerische Position überträgt. Der Kontakt zu Fritz Pauli scheint im Jahr 1927 abzubrechen.

Christoph Lichtin