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THE BLACK GIANT OF ANTWERP
  • James Lee Byars
  • THE BLACK GIANT OF ANTWERP, 1976

  • Schwarzweiss-Fotografie
  • 23.4 x 17.4 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 2006.40q
  • © Estate of James Lee Byars, Courtesy Galerie Michael Werner Berlin, Köln und New York
  • Jahr von: 1,976
  • Jahr bis: 1,976
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Die schwarzweiss Fotografie „THE BLACK GIANT OF ANTWERP“ zeigt die riesige Silhouette einer Figur – eines Giganten – aus Stoffbahnen, ausgebreitet auf einer Wiese. In grosser Entfernung taucht in der oberen Bildhälfte James Lee Byars in goldenem Anzug und schwarzem Zylinder zur Mitte hin schreitend auf. Die Fotografie stammt von Urs Egger.

Im Zusammenhang mit Byars’ Streben, die verschiedenen Gattungsgrenzen aufzulösen, werden zur Beschreibung seines Schaffens neue Begriffe, wie jener der 'performativen Skulptur' generiert. Die dargestellte 'performative Skulptur' entsteht 1976 anlässlich des gleichnamigen 'Plays' während Byars’ Aufenthalt in Antwerpen, wo er mehrere solcher Aktionen aufführt. Mit „THE BLACK GIANT OF ANTWERP“ bezieht sich Byars auf eine lokale Legende über einen Giganten namens Lange Wapper. Dieser hält sich in der Nähe des Wassers auf, kann seine Körpergrösse beliebig verändern und versetzt die Leute gerne in Schrecken. Byars legt die 333 Meter lange, aus schwarzem Stoff ausgeschnittene Figur auf einer Wiese mit Bäumen aus. Mehr als 100 Besucher rollen sie während der Eröffnung auf. Der Gigant wird anschliessend als graziöses schwarzes Gebilde in die Ausstellung „Extra-Terrestrial“ von 1976 im ICC in Antwerpen miteinbezogen.

Für den selbstgewählten Begriff 'Play' orientiert er sich an den über dreissig Definitionen aus dem Oxford English Dictionary: nebst Spiel oder Theaterstück bedeutet der Ausdruck beispielsweise auch spielerisches Herumalbern oder steht für Wort- bzw. Sprachspiele im Sinne Wittgensteins. Die 'Plays' sind eher als soziale Aktionen, denn rein phänomenologisch oder konzeptionell zu verstehen. Initiiert hat Byars die 'Plays' in den späten 1960er Jahren in Amerika. Eine der spektakulärsten 'performativen Skulpturen' ist der aus 150 Meter weissem 'Dissolvo'-Papier zusammengeklebte „The Giant Soluble Man (500’ Dissolvo-Man)“, die am 16. November 1967 in New York auf der 53. Strasse zwischen Fifth und Sixth Avenue aufgeführt wird. Nebst dem Künstler selbst nehmen jeweils weitere Personen wie Künstler, Kuratoren, Galeristen und seine damalige Lebenspartnerin Birgit Grögel (kurz „BB“) an den Aufführungen teil.

Während Byars’ frühere Werke, deren Ziel in der Dematerialisierung der Kunst mittels Aktionen und Performances liegt, stärker performativ sind, objektivieren seine späteren Arbeiten die Aktionen wieder. Das Material der Objekte wird quasi selbst zum Gegenstand philosophischer Fragen. Byars’ Präsenz wird dadurch immer weniger erforderlich. Im Unterschied zu den Performances und 'Plays', die gerade auch aufgrund ihrer Unwiederholbarkeit faszinieren, gelingt es demgegenüber den Objekten einen Teil der für die Aktionen typischen Atmosphäre zu übermitteln und festzuhalten.

Patrizia Keller