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Blut und Eis
  • Max von Moos
  • Blut und Eis, 1960

  • Tempera, Lackfarbe und Öl auf Pavatex
  • 121.5 x 250.5 cm
  • signiert und datiert unten links: "M. von Moos 60"
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der Max von Moos-Stiftung, Luzern
  • Inv.-Nr. L 86.13x
  • © Peter Thali, Luzern
  • Jahr von: 1'960
  • Jahr bis: 1'960
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
Weiteres

Bevor sich Max von Moos dem Tachismus nähert, findet er zu Beginn der 1950er Jahre zu streng vereinfachten Kompositionen organischer Formen. Dazu gehört das Werk "Urformen" (Inv. Nr. 98.1x). Die Ausstellung "Tendances Actuelles" im Jahre 1955 in der Berner Kunsthalle, in der Werke von Jackson Pollock, Mark Tobey und Sam Francis gezeigt werden, gibt seinem Schaffen neue Impulse. Max von Moos beginnt mit tachistischen Maltechniken zu experimentieren. Es entstehen Explosionsbilder: Öl- und Wasser-Emulsionen quellen durcheinander und bewirken Strukturen, die mit bewusster Pinselführung nie hätten erzeugt werden können. "Für mich ist der Tachismus eine Folge der Kernspaltung in der Kunst, nämlich eine Dynamisierung der Materie, die erst nach Hiroshima ins allgemeine Bewusstsein eingegangen ist", sagt Max von Moos in einem Gespräch mit Alfred A. Häsler (1976). Werktitel wie "Kosmische Explosion", "Atomtod", "20 Jahre danach" sowie "Ende der Menschheit" weisen auf die Beschäftigung mit dem Abwurf der Atombombe auf Hiroshima hin. Die Zerstörung durch die Atombomben bedeutet für ihn "eine Steigerung der Perversität der Welt". Max von Moos selbst glaubt, diese neuen Ängste nur mit ungegegenständlichen Mitteln der Malerei darstellen zu können.
Die rund zehn Jahre dauernde Auseinandersetzung mit dem Tachismus löst sich in den 1960er Jahren auf. Von Moos wendet sich wieder der figurativen Malerei zu, "weil in ihr das menschliche Schicksal klarer zum Ausdruck kommt" und malt darauf hauptsächlich surrealistische Bilder.
Eine aus vier Bildern bestehende Werkgruppe, die als Leihgabe dem Kunstmuseum Luzern zur Verfügung steht, beleuchtet diesen Exkurs in den abstrakten Expressionismus. Diese besticht durch den spontanen Malgestus und den expressiven Farbauftrag. Im Bild "Blut und Eis" (Inv. Nr. L 86.13x) springt ein knallroter Farberguss ins Auge. Er ist eingebunden in eine in weissen, hellblauen und blauen Farbtönen gehaltene Fläche, die wiederum mit einem Netz von Farbfäden versehen ist, die sich über das ganze Bild verteilen und da und dort marmorierende Effekte und Farbspritzer durchblicken lassen. Im Bild "Es werde Licht" (Inv. Nr. L 86.12x) sind es freie Farbläufe, die sich nach ihren eigenen Gesetzlichkeiten über die Farbflächen hinwegziehen und sich um eine helle Stelle in der Bildmitte ansammeln. Das Verlaufen der Farben ineinander und die malerischen Zufälle, die miteinander spielen, charakterisieren diese Werke. Ausserdem kommt jeweils das Verteilen der Farbspritzer über die ganzen Bilder zur Anwendung, eine Technik, die Max von Moos auch später anwendet. In einigen Werken manifestiert sich die Nähe zu Jackson Pollock, der durch den spontanen Umgang mit der Farbe zu Beginn der 1950er Jahre für Aufsehen sorgte und mit seiner "action painting" und den informellen Bildern, deren Linien und Punkte über die ganze Bildfläche verteilt sind, berühmt wurde. Das intuitive Setzen von Punkten und Linien, die weder miteinander in Bezug stehen noch einen zentralen Brennpunkt aufweisen, kommt ansatzweise in der Zeichnung (Inv. Nr. 92.18y) zum Ausdruck.
Der Tachismus ist in den 1960er Jahren zu einer eigentlichen Mode geworden und erlangte eine grosse Breitenwirkung. Es ist möglich, dass unter anderem dieser Umstand Max von Moos zur Nichtfortsetzung der abstrakten Malerei bewogen hat. Ausserdem erwähnt der Künstler 1976 in einem Interview, dass seine tachistischen Bilder, in Bezug auf Inhalt und Ästhetik, auf die Dauer zu keinem befriedigenden Resultat geführt hätten.

Cornelia Ackermann