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Die Jagd (Kopie nach Jacob van Ruisdael)
  • Robert Zünd
  • Die Jagd (Kopie nach Jacob van Ruisdael), 1860

  • Öl auf Leinwand
  • 30.5 x 40 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 2011.23x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'860
  • Jahr bis: 1'860
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
Weiteres

Das Ölbild ist eine proportional verkleinerte Kopie nach Jacob van Ruisdaels Gemälde „Die Jagd“, das die Dresdner Gemäldegalerie der Alten Meister aufbewahrt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts ist diese Waldlandschaft im elften Kabinett der „nördlichen Abtheilung“ ausgestellt. Im gleichen Raum kopiert Robert Zünd während eines Aufenthaltes in Dresden noch drei weitere Gemälde des niederländischen Landschaftsmalers. Viel mehr ist leider nicht bekannt über diese Studienreise. Auf Grund datierter Kopien kann immerhin der Zeitpunkt der Reise im Juni des Jahres 1860 nachgewiesen werden: Eine Kopie nach Claude Lorrain ist auf den 20. Juni dieses Jahres datiert („Dresden 20. Juny 1860“); auf dem Keilrahmen der „Jagd“ notiert Zünd den 28. Juni als Tag der Fertigstellung.

Zünds Interesse für Ruisdaels Gemälde lässt sich von seinen eigenen künstlerischen Interessen her erklären. Die „Jagd“ gilt im 18. und 19. Jahrhundert wegen der Naturnachahmung in der Formgebung, Lichtführung und Luftperspektive als herausragendes Lehrstück realistischer Landschaftsmalerei in der Dresdner Galerie. Der deutsche Kunstschriftsteller Johann Ernst Ludwig Kämmerer bewertet es als „das schönste Stück, welches die Dresdner Sammlung von ihm [Ruisdael] enthält.“ Entsprechend zahlreich sind die Reproduktionen, die zu dieser Zeit nach der „Jagd“ angefertigt werden. Im späten 18. Jahrhundert erwirbt der Schweizer Landschaftszeichner und -radierer Adrian Zingg mit einer druckgraphischen Reproduktion die Aufnahme in die Dresdner Akademie.

Zünd schenkt eine Kopie 1884 zusammen mit einer anderen Studie dem Winterthurer Handelsmann und Kunsthändler Theodor Reinhart, dem er freundschaftlich verbunden ist. Aus einem Brief Reinharts geht hervor, dass der Schenkung eine hohe Wertschätzung entgegengebracht wird. Reinhart entschuldigt sich bei Zünd geradezu, „Ihre Sammlung von einigen Studien und köstlichen Kopien anderer Meister um diese zwei Perlen zu berauben“. Nach dem Tod des Malers setzt sich Reinhart für die Präsentation der Studien in einer öffentlich zugänglichen Ausstellung ein. 1912 wird dieses Vorhaben im Atelier des Malers an der Moosmattstrasse 13 in Luzern realisiert. Die Ausstellung zeigt auch die Dresdner Kopien nach Lorrain und Ruisdael. Die Kopie der "Jagd" in der Sammlung des Kunstmuseums Luzern hat jedoch keine Winterthurer Provenienz. Zünd könnte demnach mehrere Kopien des gleichen Sujets angefertigt haben.

Für Zünd sind die Kopien zeitlebens eine wichtige Form der Auseinandersetzung mit der Kunst vergangener Jahrhunderte, die er für „viel Höher, Grösser und Schöner“ als die zeitgenössische hält, wie er 1867 in einem Brief an Rudolf Koller darlegt. Auf dem Gebiet der Landschaftsmalerei halte er die Niederländer für „die besten Rathgeber“, schreibt er seinem Künstlerfreund ein Jahr später in Hinblick auf sein Vorhaben, nach München zu reisen, um die (Alte) Pinakothek zu besuchen. Ausserhalb der Niederlande verfüge einzig die Dresdner Galerie über einen qualitativ mit der Münchner Sammlung vergleichbaren Bestand niederländischer Landschaftsmalerei. Zwar bleibt die Münchenreise ein Vorhaben, aber der Aufenthalt in Dresden erhält in diesem Kontext seine retrospektive Begründung.

Christian Féraud