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Palmen
  • Friedrich Kuhn
  • Palmen, um 1968

  • Polyester und Gips, bemalt
  • je 197 x 67 x 40 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 538w
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,968
  • Jahr bis: 1,969
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography

Nach einem langen Spital- und Kuraufenthalt, zu dem Friedrich Kuhn 1967 infolge exzessiven Alkoholkonsums gezwungen ist, tritt das Motiv der Palme in seinem Werk plötzlich in grossem Umfang auf. Als eingängiges und formal einfach abwandelbares Motiv wird sie zu einer Art Markenzeichen des Künstlers. Noch im Spitalbett beginnt Kuhn Illustrationen zur Kurzgeschichte „Der Baum“ von Dylan Thomas zu zeichnen. Die Beschäftigung mit diesem literarischen Werk ist vermutlich der Hauptauslöser seiner neuen Schaffensphase. Die entstandenen „Palmen-Arbeiten“ werden im Frühjahr 1968, unter dem Titel „Die Palmen des Friedrich Kuhn“, der Öffentlichkeit präsentiert: Ausstellungsort ist das „Kleine Kunstkabinett“, ein Ausstellungsraum des Künstlers und Galeristen Pierre Baltensperger an der Zollikerstrasse 22 in Zürich. Hauptattraktion sind aus Holz und Polyester gefertigte und in verschiedenen Farben bemalte Palmenskulpturen. Als „Palmenausstellung“ erlangt die Schau lokale Berühmtheit. Ein Faktor, der sie zum Stadtgespräch werden lässt, sind einige kleinere Skandale; so bleibt etwa das Ausstellungsplakat, auf dem ein leicht bekleidetes Pin-up-Girl unter einer grünen Spielzeugpalme zu sehen ist, in der Zensur hängen und muss für den öffentlichen Aushang überdruckt werden. Leicht irritierend muss auf einige Ausstellungsbesucher die Palme gewirkt haben, deren Sockel aus einer holzgezimmerten, bemalten und auf Rollen stehenden WC-Schüssel besteht, aus deren Schlund Hundegebell und Kuhgemuhe heraustönt.

Mit in der Populärkultur verbreiteten Motiven, wie etwa demjenigen der Palme, schafft Kuhn Sinnbilder für die neuen Fluchtwelten, wie sie von der Tourismusindustrie angepriesen werden. Die bürgerliche und kleinbürgerliche Klischeevorstellung der Palme als Glücks- und Paradieszeichen findet in seinen Werken einen ironischen Kommentar. Motivisch passt die Palme zu den strahlenförmig ausgreifenden Formen, wie sie in Kuhns Werk seit den Anfängen anzutreffen sind. Sie kann etwa im Zusammenhang mit den rosettenartigen Formen gesehen werden, die er auch in Holzschnitzereien ausführte.

In einer Version, die sich heute im Kunstmuseum Luzern befindet, tritt die Palme als Doppelversion aus Positiv und Negativ auf. Das Positiv ist der Abguss einer Holzskulptur mit glasfaserverstärktem Polyester, der aus zwei zusammengeklebten Schalen besteht und im Innern hohl ist, das Negativ, die Gussform, ist eine mit Gips bestrichene halbe, ebenfalls aus Kunststoff gefertigte Hohlform.

Benjamin Altorfer