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Dark Night Three II
  • Helmut Federle
  • Dark Night Three II, 2009

  • Acryl auf Leinwand
  • 50 x 40 cm
  • verso: mit schwarzer Farbe auf Leinwand: "Dark Night Three/II/Federle 09", auf Keilrahmen mit schwarzem Farbe: "VV # 344"
  • Kunstmuseum Luzern, Ankauf ermöglicht mit Mitteln von Embassy Jewel AG
  • Inv.-Nr. 2012.024x
  • © 2013, ProLitteris, Zurich
  • Jahr von: 2'009
  • Jahr bis: 2'009
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
Weiteres

Das Kleinformat in den Tönen Schwarz, Grau und Weiss gibt übereinander gelegte Fünfecke unterschiedlichster Ausprägung wider, die zur Mitte hin in ihrer Grösse abnehmen sowie in ihrer Helligkeit zunehmen. Die Pinselstriche sind deutlich zu erkennen, die Bemalung scheint abzuperlen und vorwiegend in der oberen Bildhälfte verläuft die Farbe. Die beiden Werke „Dark Night Three II” (2009) und „Song for Golgatha I“ (2009, vgl. KML Inv.-Nr. 2012.023x) verfügen trotz ihres unterschiedlichen Erscheinungsbildes über eine grundlegende Gemeinsamkeit: Sie hellen sich gegen ihre Bildmitte hin auf. Interessant ist ihre gegensätzliche Wirkung: Richtet sich die Helligkeit in einem Sog nach innen zum Bildzentrum hin, oder bewegt sie sich nach aussen zur Bildkante? Die Lichtbilder gehören einer neueren Serie an, deren Stammvater im Werk „Innerlight (HRI)“ (1985) verortet werden kann. Das querformatige Rechteck wird in der Bildmitte von einem Viereck erhellt und verdunkelt sich gegen den Bildrand. Es ist vorwiegend in den typischen Farben Federles, in schmutzigem Gelb und Grün, die er als Selbstmordfarben bezeichnet, sowie Schwarz gehalten. Beim Bildaufbau beschränkt sich der Künstler auf horizontal und vertikal gesetzte Pinselstriche. Die aus der Bildmitte ausstrahlenden Diagonalen bestehen noch nicht und scheinen sich erst in den nachfolgenden Werken auszubilden. Aufschlussreich sind die darunterliegenden schwarzen und weissen Balken, die auf eine während dem Malprozess sich entwickelnde Bildfindung schliessen lassen. Für Joseph Masheck (2012) bildet es ein wichtiges Werk in der Entwicklung des religiösen Bewusstseins des Künstlers in den 1980er Jahren und wird von ihm klar als religiöse Kunst eingestuft.

Die Fünfecke rufen bei den Betrachtenden verschiedene Assoziationen wach: Die Anthroposophie, die Lehre Rudolf Steiners, in der das Fünfeck eine eminente und Gestalt gebende Rolle spielt, die Bedeutung als Pentagramm oder Drudenfuss, das Symbol von Religion und Geheimbünden sowie das Vorkommen in der Natur. „Dark Night Three II” gehört zu einer Reihe von Bildern mit der Thematik des spiralförmig angeordneten Fünfecks. Das Werk bildet mit seinem Kleinformat einen Gegensatz zu den anderen Bildern im Besitz des Kunstmuseums Luzern (KML Inv.-Nr. M 96.4x und KML Inv.-Nr. D 93.37x). In den Dimensionen seiner monumentalen Arbeiten scheinen sich die Betrachtenden zu verlieren und von ihrem Ausmass eingenommen zu werden. Die weniger bekannten Kleinformate nehmen in seinem Oeuvre eine gleichwertige Stellung neben diesen ein und ermöglichen durch die Verringerung der Masse einen intimeren Zugang.

Karoliina Elmer