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Backofen auf dem Lande (Oberbayern)
  • Hans Emmenegger
  • Backofen auf dem Lande (Oberbayern), 1896

  • Öl auf Leinwand
  • 65 x 81.5 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der Stadt Luzern
  • Inv.-Nr. G 2010.257x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,896
  • Jahr bis: 1,896
Description
Provenance
Exhibition History
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Other

Immer wieder zeigt sich in den Tagebucheinträgen Hans Emmeneggers sein Interesse für Architektur, deren Geschichte und Stilstufen er offenbar gut kannte. Immer wieder sind denn auch Architekturen Motive seiner Gemälde. So stellt er in südlichen, mediterranen Gefilden christliche oder muslimische Kultbauten dar oder verwendet Profanbauten als Vorbild für böcklineske Kompositionen. Dann wieder wählt er einfache ländliche Architekturen, die in der Art seines etwas älteren Münchner Künstlerfreundes Bernhard Buttersack (1858–1925) gehalten sind.

Als Reaktion gegen den akademisch-epigonal und blutleer gewordenen Klassizismus wandten sich nach der Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Maler – dem prominenten Beispiel des Franzosen Gustave Courbet (1819–1877) folgend – von den literarischen Stoffen als Vorbild für ihre Kunst ab und griffen oftmals zeitgenössische Missstände auf. Andere tauschten das Atelier und die nach langwierigen Vorstudien erstellte feinmalerische Komposition gegen die spontane Freilichtmalerei, der es um das Festhalten von Licht und Atmosphäre zu tun war. Analog zur Wirklichkeitsnähe der Darstellung legt die offene Faktur Zeugnis vom Malprozess ab und zeigt das Bild als etwas Gewordenes.

Diese Merkmale sind auch Hans Emmeneggers Darstellungen ländlicher Architekturen abzulesen. Der "Backofen auf dem Lande (Oberbayern)", wohl in Zusammenhang mit Emmeneggers Aufenthalt 1895/96 bei Buttersack zu sehen, zeigt ein anspruchsloses, nach akademischem Verständnis kaum bildwürdiges, ländliches Motiv. Auch das Farbspektrum ist mit Grün- und Brauntönen nicht eben opulent bemessen. Doch umso nuancierter sind die Valeurs dieser wenigen Farben, die beispielsweise im Schindeldach des Backofens zur Entfaltung gebracht werden.Hier kann Emmenegger mit dem subtilen Spiel von Braun- und Rottönen seine malerischen Fähigkeiten voll zur Geltung bringen.

Als herausragendes Merkmal realistischer Malerei ist beim "Backofen auf dem Lande (Oberbayern)" die Quasi-Identität von Malmaterial und Dargestelltem zu nennen: Denn an den allmählich entstandenen, amorphen Formen von Russ am Schornstein des Backofens kann Emmenegger die Farbe als eigentlichen Grundstoff des Bildes zur Anschauung bringen.

Heinz Stahlhut