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Ohne Titel
  • Sonja Sekula
  • Ohne Titel, 1943

  • Öl auf Leinwand
  • 64 x 94 cm
  • signiert und datiert unten Mitte: "Sonja Sekula 1943"
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der Bernhard Eglin-Stiftung
  • Inv.-Nr. M 2008.23x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,943
  • Jahr bis: 1,943
Description
Provenance
Exhibition History

Die in Luzern aufgewachsene Künstlerin lebte von 1936 bis 1955 in New York, wo sie über ihre Eltern, die Kontakte zu emigrierten Künstlern pflegten, rasch Zugang zu einem internationalen Kreis von Künstlerinnen und Künstlern fand und die frühe Entwicklung des amerikanischen abstrakten Expressionismus erlebte. Engere Beziehungen pflegte Sekula zu André Breton und dessen Frau, wie auch zu Roberto Matta und Robert Motherwell.

Das 1943 datierte frühe Gemälde ist zeugt von Sekulas Beschäftigung mit dem damals aktuellen Surrealismus einerseits sowie mit dem mythologischen und bildnerischen Vokabular der indianischen Tradition andererseits. Sekula bereiste mehrmals Gebiete verschiedener Indianerstämme und stand in engem künstlerischem Austausch mit der Gruppe der „Indian Space Painters“, eine in europäischer Tradition ausgebildete Künstlergruppe, die eine Synthese der Indianischen Volkskunst mit den aktuellen Tendenzen der abstrakten Kunst anstrebten.

Dargestellt ist die Begegnung eines vogelähnlichen Wesens mir einer schwarzgrauen Raubkatze. Das auf zwei Beinen schreitende Vogelwesen erinnert formal ebenso an die kubistische Formensprache wie an Muster indianischer Textilkunst. Die Begegnung, die wohl auf einer mythologischen Quelle beruht, findet in einer typischen amerikanischen Landschaft statt: die roten Felsen können durchaus als abstrahierte Darstellung des „Monument Valley“ gesehen werden. Die Wüste stellt aber auch für die Surrealisten, seien es Yves Tangui, Robert Matta oder Salvador Dali, ein bevorzugtes Gebiet für ihre künstlerischen Visionen dar. Die Wüste ist ausserhalb unserer Lebenswirklichkeit, und Begegnungen in diesem Landschaftsraum haben eine eigene Realität. Damit gelingt Sekula in diesem Gemälde eine phantastische Synthese verschiedener kultureller Referenzen und macht es zu einem Zeugnis eines höchst interessanten Diskurses über die Entwicklung der Kunst, an dem sie im Zentrum der amerikanischen Avantgarde unmittelbar teilhatte. Es darf als ein Hauptwerk der Künstlerin betrachtet werden.

Christoph Lichtin