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Ohne Titel
  • Urs Lüthi
  • Ohne Titel, 1979

  • Öl auf Leinwand
  • 32 x 52 cm
  • signiert und datiert verso und auf Keilrahmen, mit Kugelschreiber: "Urs Lüthi 79"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 2006.48x
  • © Urs Lüthi
  • Jahr von: 1,979
  • Jahr bis: 1,979
Description
Provenance
Bibliography
Other

Das kleinformatige Gemälde ist das erste Bild, das Lüthi nach einer Phase der fast ausschliesslichen Beschäftigung mit der Fotografie ausführte. Um 1979/80 arbeitet er in beiden Medien gleichzeitig, und es ist interessant zu verfolgen, wie Lüthi diesen Wechsel des künstlerischen Mediums angeht. In Bezug auf den Inhalt können wir bei vorliegendem Gemälde durchaus inhaltliche Parallelen etwa zu den Fotografien sehen, die den Künstler zusammen mit seiner Partnerin im Bett zeigen, besonders eindrücklich ist der Vergleich mit der Serie „Santa Barbara (The sun shines also in America)“ von 1977 (Privatbesitz), wo das Paar nackt im Doppelbett liegt und „parallelistische“ Leibesübungen vorturnt.

Von dieser Einheit in der Zweisamkeit ist in vorliegendem Gemälde nichts mehr zu sehen. Die Frau ist wie ein wunderbares Traumbild von dem nur als Schattensilhouette dargestellten Mann entrückt. Die beiden Figuren sind unterschiedlich gemalt und verdeutlichen so eine Trennung. Das Schema des Mannes kann als Leerstelle verstanden werden, als wäre er aus dem Bild herausgeschnitten. „Something like falling off the world” nennt Lüthi eine ebenfalls 1979 entstandene Fotografie, die den Künstler auf dem Dach eines Hochhauses zeigt, wo er im Begriff ist, den Balken, auf dem er sitzt, zu zersägen. In beiden Werken manifestiert sich ein Gefahrenmoment, das seine Person als Gegenstand seiner Kunst betrifft. Es ist die Gefahr, dass ihm das Motiv abhanden kommen könnte, dass er aus der Welt herausfallen könnte, und dabei ist der Fluch des Künstlers, dass er als Akteur stets selbst an seinem Schicksal schreinert.

Lüthi hat verschiedentlich erwähnt, dass er in dieser Zeit mit seinen fotografischen Arbeiten nicht mehr weitergekommen sei. Eindrücklich ist, wie er diesen Prozess der Loslösung und der Trennung von einer wichtigen Werk- und Lebensphase kreativ nutzt, indem er diesen in seinen Werken zu Darstellung bringt.

Christoph Lichtin