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Brücke
  • Alois Mosbacher
  • Brücke, 1988

  • Holz, bemalt, Kettchen
  • 147.7 x 66 x 30.3 cm (Objekt: 37.5 x 50.9 x 14 cm)
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern, Schenkung Sammlung Toni Gerber, Bern
  • Inv.-Nr. 93.101w
  • © Alois Mosbacher
  • Jahr von: 1'988
  • Jahr bis: 1'988
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur

Trotz seinem Bekenntnis zur Malerei widmet sich Mosbacher auch skulpturalen Arbeiten. Über singuläre modellierte, organische Gipsgebilde (1984), Hausmodelle aus Ton (1987) und Wachs-Plastiken gelangt er zu seinen Holzobjekten: Die Thürntal-Serie, 1988 im Schloss Thürntal in Niederösterreich geschaffen, besteht aus 14 Einzelskulpturen und bildet einen geschlossenen Zyklus. Die Objekte stellen einfache Gegenstände aus unserem Alltag, aus der Natur und der Umwelt dar, die auf einem vom Künstler gefertigten schlichten Sockel unterschiedlicher Höhen präsentiert werden. Der Künstler spielt mit dem Massstab, da er einige Gegenstände in der natürlichen Grösse darstellt („Hantel“, „Schatz“), andere hingegen verkleinert und ihnen somit einen Modellcharakter verleiht („Landschaft“, „Brücke“). Unter den Skulpturen, die von Mosbacher als Einzelwerke angesehen werden, begegnen uns „Seestern“, „Windrose“, „Steg“, „Kreisel“, etc. aus farblich einheitlich bemaltem Holz. Obwohl es sich um skulpturale Werke handelt, stehen sie in engem Zusammenhang mit seinem malerischen Schaffen. In seinen Bildern finden sich Tor, Steg oder Seestern, auf die er sich im Laufe der Zeit immer mehr konzentriert und sie aus dem landschaftlichen Zusammenhang herauslöst. Er verlässt die auf der Bildfläche geschaffene Illusion von Körperlichkeit und erschafft haptisch greifbare, plastische und mehransichtige Gebilde. Für Mosbacher stellen die körperliche Arbeit, der Umgang mit dem Holz und das immer wieder lasierende Anstreichen bedeutende sinnlich-taktile Erfahrungen des Körperlichen dar. Es entsteht quasi Malerei, deren Bildobjekte sich als Farbträger im Raum umgesetzt haben.

Wilfried Skreiner (1989) sieht in den Bildmotiven eine Anspielung auf unser aus abendländischem und christlichem Wissen gespeistes Erkenntnisreservoir. Mosbacher regt die Bildung von Assoziationen an, die nicht eindeutig sind. Die 14 Objekte stehen für Lebenssituationen und bilden die Stationen eines Weges, sind aber auch in einen übergreifenden Kontext integriert, so dass einfache Interpretationen nicht möglich sind. Mosbacher erklärt in einem Interview mit Hans Ulrich Obrist (2010), dass es ihm um eine Art Vermessung gehe. Ein gewisser Ort, dem Kreuzweg ähnlich, werde durchschritten, der durch viele einzelne Orte unterteilt sei. Die Objekte sind als installative Anordnung präsentiert und er lädt uns ein, uns daran zu beteiligen und die Werke zu besichtigen. Da keine Reihenfolge vorgegeben ist, erlebt jede, jeder das Abschreiten auf individuelle Art und die einfachen Symbole rufen eigene Assoziationen auf.

Karoliina Elmer