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Schneeschmelze
  • Franz Elmiger
  • Schneeschmelze, 1916

  • Öl auf Leinwand
  • 44.5 x 62 cm
  • signiert unten links: "F. Elmiger - 1916"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 13x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,916
  • Jahr bis: 1,916
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Dieses Werk markiert den wichtigen Wechsel in Elmigers Themenwahl, der sich sehr wahrscheinlich erst nach Beendigung seiner Studienzeit vollzogen hat. Haben einige Jahre zuvor noch Tierdarstellungen, wie zum Beispiel das Bild "Bauer mit Kühen" (KML 331x) sein Werk dominiert, so ist es jetzt die Landschaft, die im Vordergrund steht.

Das Bild aus dem Jahre 1916 zeigt uns eine Landschaft zu Frühlingsbeginn: einige letzte Schneefelder sind übrig geblieben, ansonsten präsentieren sich die Felder in bräunlich-gelbem Farbton, charakteristisch für die Natur, die sich vom Winter erholt. Der Blick des Betrachters wird von einem kleinen Hügel, dessen schattiger Hang noch schneebedeckt ist, links ins Bild geleitet. Diese Anhöhe, welche einen unmittelbaren Zugang zur Landschaft schafft, geht im Mittelgrund in Felder über, die zum ganz rechts am Bildrand stehenden Bauerhaus zu gehören scheinen. Im Hintergrund, der sich vor allem über die rechte Bildhälfte erschliesst, ist eine Seelandschaft umgeben von Hügeln zu sehen. Typisch für Elmiger ist in diesem Bild die flächenhafte Verwendung der räumlichen Verhältnisse. Er benutzt die vorhandenen Wiesen und Schneefelder, welche jeweils beide in Schatten- und Sonnenzonen unterteilt sind, als sich farblich unterscheidende Flächen und komponiert mit diesen vier malerischen Bausteinen eine Landschaft, die jedoch auch als flächig verstandene, harmonische Komposition bestehen kann.

Der knapp 20 Jahre ältere Luzerner Künstler Hans Emmenegger hat sich ebenfalls mit Darstellungen zum Thema Schneeschmelze auseinander gesetzt und ist zu einer Formsprache gelangt, die im Hinblick auf Elmigers Werk wichtig ist. Ausgehend von seiner Ausstellungs- und Jurytätigkeit ist anzunehmen, dass Elmiger Emmenegger und dessen Werk kannte. Die beiden Künstler stellten zum Beispiel 1909 beide an der Internationalen Kunstausstellung im Münchner Glaspalast aus – Elmiger mit dem Bild "Schimmelgespann" und Emmenegger mit dem Bild "Einsamkeit". Ausserdem gewann Emmeneggers Bild "Schneeschmelze" (KML G 747x) drei Jahre vor der Entstehung von Elmigers Bild in München eine Goldmedaille. Emmenegger, der das Thema in mehreren Variationen ausführte, legte ebenfalls Wert auf einen sehr flächigen Bildaufbau. Im Gegensatz zu Elmiger wählte er jedoch einen engeren, mutigeren Bildausschnitt. Dennoch lassen die Analogien zwischen den beiden Bildern vermuten, dass Emmenegger dem jüngeren Maler Elmiger als Inspiration diente.

Das Bild ist repräsentativ für Elmigers späteres Werk. Er hat die Tiermalerei hinter sich gelassen und stellt die heimische Landschaft, als etwas ihm Vertrautes und Bekanntes, in den Vordergrund. Auch wenn Elmiger nie den Sprung zu den ganz innovativen, modernen Schweizer Malern geschafft hat, zeugt sein Werk doch von einer bemerkenswerten Kombination aus Aufgeschlossenheit Neuem gegenüber und einer ganz persönlich und privaten Sujetwahl. Dieser verdankt er auch den Erfolg und seine Beliebtheit in Luzern und Umgebung.

Janine Moroni