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Nue au rideau vert
  • Georges Einbeck
  • Nue au rideau vert, 1928

  • Tempera auf Leinwand
  • 65 x 49 cm
  • signiert und datiert unten rechts: "Einbeck 1928"
  • Kunstmuseum Luzern. Legat Dr. Senta Rasmus, Berlin
  • Inv.-Nr. 2013.003x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,928
  • Jahr bis: 1,928
Description
Provenance
Bibliography
Other

Nue au rideau vert zeigt eine nackte Frau vor einem mit Quasten besetzten, schweren, grünen Vorhang neben einem kleinen, runden, von einem lila Tuch bedeckten Tisch am linken Bildrand. Auf dem Tisch befindet sich eine längliche, blaue Vase mit weissen Verzierungen, in welcher farbig leuchtende Blumen stehen. Die Beine der jungen Frau sowie ihr Intimbereich sind von einem gelben Tuch verdeckt. Rechts neben ihr, am unteren Bildrand, ist ein violetter Teppich zu erahnen, während darüber eine hellrosa Fläche, von gelben Tupfern übersät, den Blick ins hell erleuchtete Freie andeutet.
Porträts und Darstellungen von Mädchen und jungen Frauen gehören seit 1913, kurz bevor Ein-beck im Jahr 1914 nach Luzern kommt und er und seine Gattin hier vom Ausbruch des 1. Weltkriegs überrascht werden, zu seinen beliebtesten Motiven. Die halblangen, schwarzen Haare und kurzen Fransen auf der Stirn sowie die breiten Augen und starken Brauen des Modells, die man auf dem ein Jahr später entstandenen Porträt Daisy gut erkennen kann, legen es nahe, dass ihm seine Frau Daisy für das vorliegende Werk Modell gestanden hat.
Ihre rechte Hand berührt die Tischplatte nur leicht. An ihrem ausgestreckten Arm entlang nach oben führt Einbeck unseren Blick ins Bild hinein. Vorbei an der blauen Vase, welche offen-sichtlich die Rundungen der jungen Frau repetiert, springt uns auf der Höhe ihrer Schulter ein buntes Bouquet mit orangen, gelben und rosafarbenen Blüten ins Auge. Die hastig aufgetragenen Farbtupfer ergeben den Eindruck eines Strausses in voller Blüte. Einbeck malt in seiner Karriere sämtliche Akte in Kombination mit Blumensträussen oder zumindest floral gemusterten Stoffen. Die Blumen scheinen für Einbeck ein Symbol für den weiblichen Körper darzustellen, was sich auch in Nue au rideau vert manifestiert. Den wohl geformten, zart gebräunten Körper der jungen Frau mit prall abstehenden Brüsten, der aus dem Tuch herausragt wie die in alle Richtungen spriessenden Blumen aus der Vase, vermag Einbecks Malkunst – zu dieser Zeit im Vollbesitz ihrer Ausdruckskraft – verführerisch darzustellen.
Die gekonnte Setzung von Kontrasten mittels Komplementärfarben, wie beispielsweise dem gelben Tuch vor dem violetten Tisch oder der orangen Blumen in der blauen Vase, kommt in Nue au rideau vert zur vollen Entfaltung und erzeugt gleichzeitig eine verdichtete Farbwirkung. Einbeck ist zweifelsfrei ein grosser Kolorist und kann der Stilrichtung des Fauvismus zugeordnet werden. Diese Avantgarde-Bewegung des frühen 20. Jahrhunderts, deren Hauptvertreter Künstler wie Henri Matisse, André Derain oder Kees van Dongen waren, hat ihren Ursprung in der Ausstellung im Pariser «Salon d’Automne» von 1905. Eine kleine Gruppe von Künstlern zeigte Malereien um eine weibliche Büste in florentinischer Art, was Kunstkritiker Louis Vauxcelles zu folgendem Ausruf motivierte: «Tiens, Donatello au milieu des fauves.» (Sieh da, Donatello, umgeben von wilden Bestien.) Matisse und Einbeck begegneten sich möglicherweise um 1906, als beide eine längere Zeit in Algerien unterwegs waren. Nach dieser achtmonatigen Reise kehrte Einbeck nach Paris zurück, wo er zwei Jahre später ebenfalls zum «Salon d’Automne» eigeladen wurde. Obwohl Einbeck nicht direkt als einer der «Fauves» genannt wird, ist doch anzunehmen, dass er mit ihren Arbeiten vertraut war; schliesslich führte er deren künstlerische Absichten in seiner Malerei noch jahrelang weiter. Der Kunstkritiker Theo Kneubühler fasst den Begriff des Fauvismus in der 1976 erschienen Monografie zu Georges Einbeck zusammen als den Versuch, mit reinen Mitteln des Bildes nach einer wesenhaften Interpretation der Welt zu gelangen, die nicht beschreibend--illustrativ ist, sondern im Zusammenklang der Farben und Formen selbst liegt. Weiter schreibt er: «Im Wesentlichen war es genau das, was Einbeck seit den 1920er Jahren versuchte: eine malerisch reine Interpretation der Welt.» cv