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Zauberin (Serie: Lapine Univers Columbia)
  • Valérie Favre
  • Zauberin (Serie: Lapine Univers Columbia), 2008

  • Öl auf Papier
  • 225 x 152 cm
  • bezeichnet, signiert und datiert verso unten rechts, mit Bleistift: "Columbia "Zauberin"/Valérie Favre 2008"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 2010.6y
  • © 2010, ProLitteris, Zurich
  • Jahr von: 2'008
  • Jahr bis: 2'008
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur

Die „Zauberin“ sticht aus Valérie Favres zentraler Serie „Lapine Univers Columbia“ dadurch heraus, dass die Häsinnenfigur hier bildfüllend in einer Art Ganzkörperporträt dargestellt ist. Sie agiert alleine im Raum, bzw. auf der Bühne, ohne Kulisse, (fast) ohne Requisiten, ohne Mitspieler. Trotzdem ist der Begriff des Porträts nicht wirklich zutreffend, denn anders als beim Porträt geht es in diesem Bild nicht darum, individuelle Züge herauszuarbeiten. Die Figur repräsentiert weder eine individuelle Person noch ein existierendes Wesen, sondern verkörpert als Typus ein Prinzip.

Als Gegenstück zum rammelnden Hasen ist auch die Häsin ein Fruchtbarkeitssymbol, und dieser kulturelle Kontext liegt in abgewandelter Form beispielsweise dem Playboy-Bunny zugrunde. Belächelt, wenn nicht gar etwas lächerlich, dümmlich, von Natur aus verfügbar, dadurch nicht unbedingt unattraktiv – trotzdem: die Konnotationen sind nicht gerade schmeichelhaft und treffen sich mit Klischees, die selbst heute noch generell mit der weiblichen Gattung in Verbindung gebracht werden. Nachdem die frankophone weibliche Malerin Valérie Favre 1998 von Paris in die Malerhochburg Berlin umgezogen war, entwickelte sie die Kunstfigur der 'Lapine'. Sie entspricht nicht nur dem Bild, das sich die grossen deutschen Malerkollegen vielleicht von der kleinen malenden Französin machten, sondern verfügt zugleich über eine Reihe von Eigenschaften, die man dem netten Häschen nicht zugetraut hätte. Lust- und kraftvoll, sportlich und spielerisch weiss sie sich – durchaus mit Hang zur Häme – zu behaupten. Die 'Lapine' macht auch als Wortspiel Sinn, bezeichnet 'la pine' in der französischen Umgangssprache doch das männliche Geschlechtsteil, und im übertragenen Sinne steht dieses als 'Pinsel' ja auch unmittelbar für den quasi genialischen malerischen Schöpfungsakt. Insofern entpuppt sich die 'Lapine', dieses ursprüngliche Maskottchen, nicht nur als 'Alter Ego' von Valérie Favre, sondern als veritable Personifikation der Malerei.

Und zaubern kann sie, diese Malerei, sie bringt sich sozusagen gleich selbst ins Bild, katapultiert sich aufs Podest, wo sie, noch etwas ums Gleichgewicht ringend, leicht verwundert aus der Konzentration erwacht.

Peter Fischer