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Ohne Titel (Bocksprung)
  • Valérie Favre
  • Ohne Titel (Bocksprung), 2007

  • Bleistift auf Papier
  • 21 x 29.7 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 2010.51y
  • © 2010, ProLitteris, Zurich
  • Jahr von: 2'007
  • Jahr bis: 2'007
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Weiteres

Die Zeichnungen und Skizzen sind ein wichtiger Bestandteil im Werk von Valérie Favre. Ausgehend von diesen lassen sich die Arbeitsweise der Künstlerin und das Erzählerische in ihrem Schaffen erörtern. Zum ersten Mal wird ein Auszug aus dem zeichnerischen Œuvre 2009/2010 in der Wanderausstellung „Valérie Favre. Visions“ im Kunstmuseum Luzern und im Carré d’Art –Musée d’Art contemporain, Nîmes öffentlich gezeigt. Favre verarbeitet in den Zeichnungen ihre Gedanken, skizziert Ideen und spontane Einfälle. Sie dienen ihr als Basis für ihr Schaffen und werden teilweise zu einem bestimmten Bild weiterentwickelt. Oftmals sind es Collagen, wobei Favre sie nicht als solche im herkömmlichen Sinn, als künstlerische Gattung verstehen möchte. Wenn ihr etwas nicht gefällt oder misslingt, entfernt sie einzelne Teile und arrangiert sie neu. Die Zeichnung „Ohne Titel (Bocksprung)“ beispielsweise bildet die Vorlage für das grossformatige Gemälde „Idiotinnen, Columbia Variation (Bocksprung)“.

Während „Lapine Univers Columbia“ seinen direkten Ursprung in „Ohne Titel (Lapine univers)“ (KML 2010.52y) hat, dient „Ohne Titel (Lapine univers)“ (KML 2010.53y) aus dem Jahr 2002 als Studie für die Figur der Lapine univers generell. Favre übernimmt die Zeichnungen jeweils nicht eins zu eins als Vorlage, vielmehr bieten sie ihr die Möglichkeit, über sich und ihre Malerei zu reflektieren. Sie fungieren als Stützen, um Ideen zu schärfen und Variationen festzumachen. „Zeichnungen sind wie Inseln im grossen Meer“, so die Künstlerin. Als künstlerisches Medium bieten sie mehr Freiheit und mehr Möglichkeiten als die Malerei. Die Fülle an unterschiedlichen Details ergibt, ähnlich wie in ihren Bildserien, keine herkömmliche Geschichte im Sinne einer linearen Erzählung. Vielmehr liegt es beim Betrachter, die erzählerischen Momente miteinander zu verknüpfen. Wie ihre grossformatige Malerei erinnern auch die Szenerien in ihren Zeichnungen an Bühnenbilder. Einen weiteren Hinweis auf Favres ursprüngliche Film- und Theaterlaufbahn liefern die verschiedenen Notationen in den Zeichnungen. Ihre handschriftlichen Notizen können als Hilfsmittel für den Arbeits- und Gedankenprozess oder auch als bewusste Setzungen verstanden werden.

Patrizia Keller