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Ährenfeld bei Evian
  • Alexandre Calame
  • Ährenfeld bei Evian, 1853

  • Öl auf Leinwand
  • 77.5 x 119 cm
  • signiert und datiert unten rechts: "A. Calame 1853"
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der BEST Art Collection Luzern
  • Inv.-Nr. M 11x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'853
  • Jahr bis: 1'853
Werkbeschrieb
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Das vorliegende grossformatige Ölgemälde ist in jener Zeit entstanden, als Calame aus gesundheitlichen Gründen auf die anstrengenden Bergwanderungen verzichten muss und er sich daher von seinen üblichen alpinen Motive abwendet. Stattdessen wählt er zu Beginn der fünfziger Jahre vermehrt weitläufige Ebenen und bestückt diese mit mächtigen Baumriesen. Um 1851 nimmt er einen Jahreszeitenzyklus in Angriff, dessen "Sommer" er thematisch und kompositionell im vorliegenden Bild vom Thunersee wieder aufgreift.

Das Bild wird durch eine mächtige Baumgruppe dominiert, die im Vergleich zu "l’été" etwas zur Seite und nach oben gerutscht ist. Unter dieser kleinen Anhöhe erstreckt sich ein Ährenfeld über die gesamte Ebene bis zum Ufer des Thunersees, der in einem silberblauen Streifen angedeutet ist. Über einer in matten Farben wiedergegebenen Bergkette wölbt sich ein blassblauer, hochsommerlicher Himmel. Kein Windzug scheint sich zu regen. Die kräftige Sommersonne taucht alles in ein warmes Licht und lässt den Dunst, der sich über das Weizenfeld gelegt hat, als zarter Gelbschleier sichtbar werden. Zwei Figuren, die übliche figürliche Staffage, bahnen sich ihren Weg durch das breit geschwungene, goldene Kornfeld und leiten den Blick des Betrachters in die Tiefe.

Das Gemälde hat den Calame Schüler Robert Zünd offensichtlich zu dessen in mehreren Schritten entstandenen "Ernte" angeregt, ein Landschaftsbild mit verwandtem Motiv, das in der Zeitschrift "Die Schweiz" fälschlicherweise sogar als "Waldlandschaft von Alexandre Calame" reproduziert wurde. "Das Ährenfeld bei Evian" ist ein Beispiel dafür, wie weit sich Calame von der dramatischen Alpenmalerei, der er in den 1840er Jahren verpflichtet gewesen ist, und von seinem Lehrer François Diday gelöst hat. Nicht Erregung und Dramatik, sondern sorgfältig durchgearbeitete Harmonie soll die horizontal ausgerichtete Komposition vermitteln. Durch die gekonnte Wiedergabe von Luft und Licht ist ein wunderschönes, grossformatiges Ölgemälde entstanden, das den Betrachter die Hitze eines Sommertages nachempfinden lässt.

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