deutschenglisch
Pryings
  • Vito Acconci
  • Pryings, 1971

  • Video, U-Matic Low Band, s/w, Ton
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 1983.15:2v
  • © Vito Acconci
  • Jahr von: 1'971
  • Jahr bis: 1'971
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
Weiteres

Die Dokumentation der Live-Performance an der New York University ist eine bildliche Untersuchung der physischen und psychologischen Dynamik einer Interaktion. Während Vito Acconci versucht, mit seinen Händen die Augen seiner Lebensgefährtin Kathy Dillon zu öffnen, folgt sie der zuvor festgelegten Anweisung, ihre Augen verschlossen zu halten. Die Kamerafrau Bernadette Mayer fokussiert während der ganzen Aktion im ‚Close-Up’ (Nahaufnahme) auf Dillons Gesicht. Das unruhige Handkamera-Bild, das dadurch entsteht, steigert den dramatischen Effekt der physischen Auseinandersetzung zwischen Mann und Frau.

Diese Studie über Kontrolle, Bezwingung und Widerstand ist geprägt von Acconcis von unheimlicher Zärtlichkeit geprägter Brutalität. Ihr Körper ist das Medium zur Darstellung des Verlangens nach Widerstand gegen einen intimen Kontakt. In der Thematik sowie der intensiven Körperlichkeit der Ausführung erinnert diese Performance an das Künstlerpaar Marina Abramovic und Ulay, das einige Jahre später seine gemeinsame künstlerische Karriere beginnen wird.

Dass Acconci eine zweite Person in seine Performances integriert, geschieht mit der Absicht, die Fixiertheit auf seine Person in den vorherigen Arbeiten zu überwinden. In diesen untersucht er seinen Körper auf dessen physische und soziokulturelle Bedingtheit. Dadurch bildet er mit seinem Körper zwangsläufig das Zentrum im Werk. Die Interaktion mit einem zweiten Performer ermöglicht ihm, Aspekte wie Gewalt, Manipulation oder Geschlechterfragen in zwischenmenschlichen Beziehungen zu thematisieren.

Diese Arbeiten entstehen zu einer Zeit, in der das gesellschaftliche und soziale Gefüge allgemein hinterfragt wird. Das spiegelt sich in der Kunst nicht nur inhaltlich wieder, sondern führt auch auf formaler Ebene zu einer Veränderung des Kunstbegriffs. Angestrebt wird – gerade in der Performance-Kunst – eine Loslösung vom Objektcharakter des Kunstwerks.

Martina Becker