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THE THREE B'S: BEUYS, BROODTHAERS, BYARS
  • James Lee Byars
  • THE THREE B'S: BEUYS, BROODTHAERS, BYARS, 1984/1989

  • Furka Steine, vergoldet 1989
  • 12 x 19.5 x 16 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern, Schenkung Sammlung Toni Gerber
  • Inv.-Nr. 2009.41w
  • © Estate of James Lee Byars, Courtesy Galerie Michael Werner Berlin, Köln und New York
  • Jahr von: 1,984
  • Jahr bis: 1,989
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography

Die Arbeit „THE THREE B'S: BEUYS, BROODTHAERS, BYARS“ setzt sich aus drei vergoldeten Steinen von unterschiedlicher Grösse zusammen und lässt sich in ähnlicher Weise wie die Skulptur „EINSTEIN, STEIN AND WITTGENSTEIN“ (KML 2009.42w) verorten. 1969 findet die erste Begegnung zwischen James Lee Byars und Joseph Beuys statt; Byars wählte den deutschen Künstler gleichsam als sein Alter ego aus. Nebst unzähligen Briefen, die er an seinen Künstlerkollegen schreibt (ohne jedoch je eine Antwort zu erhalten), führen sie gemeinsame Performances auf. Der belgische Künstler Marcel Broodthaers empfindet wie Byars eine Vorliebe für literarische Werke und überschreitet früh die Grenzen der Malerei, indem er Installationen, Skulpturen, Künstlerbücher, Fotografien und Filme schafft. Allen drei 'B’s' gemeinsam ist die Kritik an der Institutionalisierung von Kunst sowie die Infragestellung der Grundlagen bisheriger 'westlicher' Ästhetik.

Seit jeher gilt die kulturgeschichtliche Kopplung von Material und Machtanspruch, so waren und sind Goldschmiedewerke aufgrund ihrer Kostbarkeit teilweise bis heute den herrschenden oder ökonomisch ausreichend starken Klassen und staatlichen Einrichtungen vorbehalten. Für die alten Griechen eignet sich Gold – ein Metall, das nicht rostet – gut als Ausdruck für die Sehnsucht nach Unsterblichkeit. Im frühen Mittelalter wird rohes Gold – auch bei nicht kirchlichen Zwecken – in Formen religiösen Inhalts umgearbeitet. Die Farbe Gold versetzt das Objekt in einen zeremoniellen, kultischen und magischen Kontext. Die Moderne richtet erneut den Blick auf das leuchtende Metall, das insbesondere in der Form von Goldrahmen wieder auftaucht. Die Beschäftigung mit Gold bietet den Kunstschaffenden die Möglichkeit, die Macht des institutionalisierten Kunstbegriffs zu demonstrieren oder auch das Verhältnis von Kunst und Wertvorstellungen ideologiekritisch zu analysieren.

Byars’ Vorliebe für besondere Materialien – für schöne, feste und glänzende Ewigkeitsmaterialien, für Sandstein, Marmor, Glas und Gold – kommt in seinen Skulpturen explizit zum Vorschein. In der abstrakten Farbe Gold sieht er optisch das Immaterielle, Absolute, Geistige, die Reinheit per se widerspiegelt. Gemäss Byars ist „Gold […] die abstrakteste Möglichkeit des Erhabenen.“ In formaler Hinsicht ist dies für ihn in der Gestalt der Kugel fassbar. Vergleicht man seine Gewänder mit den Goldarbeiten, so spiegelt sich die Inszenierung seiner selbst zugleich in der Materialität seiner Werke. „Ich denke, ich sehe grundsätzlich wie mein Werk aus“, so der Künstler. In sein glänzendes Goldkostüm gekleidet, wird er selbst zum Kunstwerk und verwandelt insofern sein eigenes Leben in Kunst. Wie seine Künstlerkollegen empfindet Byars eine Sehnsucht nach Entgrenzung, was sich zu jener Zeit in den Diskursen um den Werkbegriff widerspiegelt. Das leuchtende Metall bietet eine Möglichkeit zwischen Moment und Ewigkeit zu vermitteln und referiert auf die absolute Perfektion und Reinheit. Auch bei Byars variiert der Gebrauch von Gold somit zwischen einer kritischen Befragung des ökonomischen Werts eines Kunstwerks und dessen spiritueller Semantik. So erstaunt es nicht, wenn Byars seine Skulptur mit drei beispielhaften künstlerischen Vertretern der Avantgarde betitelt.

Patrizia Keller