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Fishman (Birth-Death-Fishman)
  • Paul Thek
  • Fishman (Birth-Death-Fishman), 1969

  • Latex, Schaumgummi
  • 220 x 55 x 45 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 94.50w
  • © The Estate of George Paul Thek, New York
  • Jahr von: 1'969
  • Jahr bis: 1'969
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur

Thek stellt erstmals 1967 eine Wachsfigur her, die ihn als toten Mann zeigt und die Thek zusammen mit Objekten, die an Grabbeigaben erinnern, in einer rosabemalten Pyramidenstruktur ausstellt (Ausstellung "The Tomb", Stable Gallery New York, 1967). Diese Ganzkörperfigur wird später weitgehend als der "Tote Hippie“ rezipiert. In Amsterdam hat Thek erstmals die Möglichkeit, Ganzkörper-Latexabgüsse zu machen. Die Herstellung dieser Abgüsse mit Hilfe von Sergio dei Vecchi kann im Buch „A Document made by Paul Thek and Edwin Klein“, 1969, schnappschussartig verfolgt werden. Erstmals ausgestellt wird der „Fishman“ in der Stable Gallery in New York im März 1969, wo er in einen Baum gehängt wird und so eindeutig zu einer Christus-Metapher (Jesus als Menschen-Fischer) wird. Thek verschenkt im Kontext dieser Ausstellung auch Latex-Fische an die Besucher. Ein zweiter Abguss des "Fishman" wird Bestandteil des "Chicken Coop", der einen Monat später im Stedelijk Museum in Amsterdam ausgestellt wird. Den Abguss hängt Thek unter den Arbeitstisch, so dass er mit seinen Händen praktisch den Boden berührt. Dieser Abguss ist auch jener, der sich heute im Kunstmuseum Luzern befindet. Im Laufe der Zeit hat sich die anfänglich gummiartige Latexfigur, die im Innern mit verschiedenen Materialien wie Schaumstoff gefüllt ist, ausgehärtet.

In der Stockholmer Ausstellung von 1971/1972 hängt Thek Fleischstücke (vgl. "Meat Piece") zum "Fishman" und nennt ihn „Birth-Death-Fishman“. Diese Assemblage bezeichnet der Künstler als „grosse Fleisch-Explosion“. Er betont mit der Benennung des "Fishman" zum „Geburten-Todes-Fischer“ die Thematik des Lebenskreislaufs, in den der Mensch eingebunden ist. Das Thema von Bewegung, Entwicklung und Passage hat Thek bereits in der Amsterdamer Präsentation durch die Treppen an beiden Tischenden, die den Tisch zu einer Brücke werden liessen, thematisiert. Über die documenta 5 in Kassel (1972) kommt dieser Fishman nach Luzern, wird da jedoch in der Ausstellung "Ark, Pyramid, Easter - a visiting group show" von 1973 nicht ausgestellt. In Stockholm verwendet Thek noch einen zweiten "Fishman". Als „Fishman-in-Excelsis-Table“ integriert ihn Thek hängend unter der Decke in das Environment.

Thek erläutert zur Symbolik dieser Figur: „Die meisten Menschen denken immer, dass er einen Ertrunkenen darstellt. Nicht für mich. Es ist eine fliegende Figur, die von Fischen in der Luft gehalten wird. Die Fische sind für mich ganz einfach Freunde. Er kommt aus dem Sand. Das hat mit der Irreversibilität zu tun. Der Aspekt des Geistes, der einfach Instinkt ist, der eher aus der Erde als vom Himmel kommt.“

Susanne Neubauer