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4 Kabinen, WD 98
  • Eberhard Havekost
  • 4 Kabinen, WD 98, 1998

  • Öl auf Leinwand
  • 130 x 183 cm
  • verso: auf Leinwand: "Havekost WD 98/4 Kabinen"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 98.18x
  • Jahr von: 1'998
  • Jahr bis: 1'998
Werkbeschrieb
Provenienz
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Literatur
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Das Gemälde ist Teil einer Werkgruppe mit diversen Fassaden von Wohnhäusern und von Ansichten mobiler Wohnwagen, die der Künstler unter dem Namen „Kabinen“ zusammenfasst. Die Darstellungen ähneln sich meist. Sie unterscheiden sich oft nur durch die Verwendung anderer Perspektiven oder durch die Wahl des abgebildeten Ausschnitts. Die Kabinen-Bilder der Architekturfassaden thematisieren das Monotone und Anonyme der Wohnungsanlagen aus Grossstädten.

Das Werk „4 Kabinen“ zeigt den Ausschnitt einer Wohnblockfront mit vier Balkonen auf zwei Stockwerken. Wie die meisten von Havekosts Architekturansichten ist das Bild aus Untersicht gemalt und lässt über dem Dach einen makellosen blauen Himmel erscheinen. Die dargestellten Balkonfronten unterscheiden sich nur gerade durch die beiden Sonnenstoren des obersten Stockwerkes. Die abgebildete Teilansicht der Wohnblockfront wirkt herangezoomt und wie im virtuellen Computerraum erscheint sie glatt und perfekt. Bewohner sind wie auch in den meisten anderen Architekturdarstellungen des Künstlers keine zu sehen. Die Fassade ist das zentrale Bildmotiv, welches der Blick des Betrachters nicht durchdringen kann. Balkone stellen zwar eine Schnittstelle zwischen Anonymität und Privatem dar, weil dort die Bewohner aus dem privaten Innenraum in die Öffentlichkeit treten können, doch Havekost zeigt uns bewusst nur die äussere Oberfläche und verwehrt uns den Blick ins Innere der Wohnhäuser. Denn er will keine Geschichten erzählen oder Filme vorführen. Die Betrachter seiner Werke sollen kein episches Bild vorgesetzt bekommen. Havekost selbst meint, dass nur wer seine Geschichten nicht braucht, in der Lage sei, beim Sehen von Bildern der eigenen Geschichte nachzuspüren.

Tamara Fullin