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Stockhorn von Oberhofen aus
  • Ferdinand Hodler
  • Stockhorn von Oberhofen aus, 1910

  • Öl auf Leinwand
  • 63.4 x 80 cm
  • signiert unten links: "F. Hodler", signiert unten rechts: "F. Hodler"
  • Kunstmuseum Luzern, Leihgabe aus Privatbesitz
  • Inv.-Nr. L 2003.20x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,910
  • Jahr bis: 1,910
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Aus Privatbesitz stammt die Dauerleihgabe einer Ansicht des Stockhorns mit dem Thunersee. Hodler schlug seine Staffelei am Ufer des Thunersees auf halbem Weg von Merligen nach Beatenbucht auf. Eine Rekonstruktion mittels der virtuellen Schweiz-Karte (CD-Rom des Bundesamtes für Landestopografie in Wabern/Bern) zeigt für viele wohl überraschend, dass Ferdinand Hodler die Horizontlinie und die Binnenformen des jenseitigen Ufers weitgehend übernommen hat. Dennoch gelang es ihm, mit seiner unnachahmlichen Handschrift die topographisch exakte Aufnahme in Kunst zu übersetzen.

Das Gemälde ist im Jahr 1909 oder 1910 entstanden. Die vielen mit dem Spachtel aufgetragenen Partien weisen auf eine schnelle Arbeitsweise hin. In Deutschland werden zu jener Zeit vermehrt Hodler-Ausstellungen in den Kunstvereinen der Grosstädte veranstaltet. Auf allen wichtigen Secessions-Ausstellungen in Deutschland ist der Schweizer vertreten und das Interesse der Sammler von moderner Kunst ist entsprechend gross. Diese Sammler folgen etwa Hugo von Tschudi in Berlin oder Alfred Lichtwark in Hamburg, die Hodler-Werke für ihre Museumspräsentationen zu erlangen suchen und Hodlers Kunst direkt mit der aktuellen französischen Kunst konfrontieren wollen.

1910 bestellt ein Frankfurter Händler zehn Gemälde bei Hodler. Am 18. Februar 1911 schreibt dieser beglückt an seinen Sohn Hector: „Das Geschäft läuft immer zünftiger“. Es entstehen im Atelier zahlreiche Fassungen des Stockhorns mit dem Thunersee und es ist sehr wohl möglich, dass das Luzerner Stockhorn eines dieser Gemälde ist. Die Signaturen sowohl links als auch rechts unten deuten auf eine Überarbeitung nach bereits einmal erfolgter Fertigstellung.

1911 kann das Werk anhand seiner Provenienz erstmals in der grossen Ausstellung im Frankfurter Kunstverein nachgewiesen werden. Der Frankfurter Unternehmer Martin Flersheim ist der Leihgeber, der das Bild 1910 direkt bei Hodler gekauft haben soll. Aus der Familie des ersten Besitzers gelangte das Werk schliesslich im Jahr 1938/39 in den Schweizer Kunsthandel.

Matthias Fischer