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Dwarf Parade Table
  • Paul Thek
  • Dwarf Parade Table, 1969

  • Holztisch, ausgestopfter Hund, Gips, Eier, Postkarten, Fotos, Skizzen, Dwarf (KML 94.54w), Turkey (KML 94.70w), Keramikteller, Mushrooms (KML 94.83w, 94.84w, 94.85w)
  • 235 x 87 x 75.5 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 94.48w
  • © The Estate of George Paul Thek, New York
  • Jahr von: 1'969
  • Jahr bis: 1'969
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur

Das Ensemble des "Dwarf Parade Table" gehörte seit seinem Amsterdamer Aufenthalt 1969 ins Grundrepertoire von Theks Objektwelt. Er wurde erstmalig in Theks Atelier auf Prinseneiland bei Amsterdam aufgebaut und in seinen Ausstellungen in Amsterdam (1969), Stockholm (1970/71) und Kassel (1972), nicht jedoch in den darauffolgenden Ausstellungen in Luzern (1973) und Duisburg (1973/74) gezeigt. Das Gesamtensemble besteht in erster Linie aus dem Tisch, auf dessen Tischplatte und -kante zahlreiche Polaroids aus Theks Atelier befestigt sind, aus einem Latex-Zwerg (KML 94.54w) sowie aus zwei Museumsstühlen, die den Tisch stützten und erhöhten. Die auf dem Tisch arrangierten Objekte wurden für die Ausstellungen unterschiedlich zusammengestellt bzw. laufend ergänzt. So stehen in Amsterdam zwei Stühle und Saftflaschen auf dem Tisch, die in Stockholm durch ein Kissen, einen Teller, einen Aschenbecher, einen Gipstruthahn („Turkey“, KML 94.70x) und verschiedene Latex-Fliegenpilze (KML 94.83w, 94.84w, 94.85w) ersetzt wurden.

Für Paul Thek war der „Dwarf Parade Table“ eines jener Ensembles, denen er expliziten Objektcharakter zukommen liess, wie aus Korrespondenzen mit dem Künstler zu lesen ist. In ihm werden nicht nur Elemente der Veränderung und des Prozesses (Stühle), des Genusses (Teller, Flaschen), des Schlafes (Kissen), der Bewusstseinänderung (Fliegenpilze, Kissen) und der mentalen Vorstellung (Polaroids als Bildersammlung) zusammengeführt, sondern auch Theks Vorliebe für christliche Festtage eingeführt: Der in Stockholm integrierte Truthahn erinnert an die angloamerikanische Tradition des Christmas Turkey und die Installation in ihrer Gesamtheit darf als Version des Letzten Abendmahl-Tisches bzw. eines Altars interpretiert werden. Der Hund unter dem Tisch ist zudem eine humoristische Referenz an Robert Rauschenbergs Werk „Monogram“ (1955–59), ein freistehendes Combine mit Schafbock, das sich heute im Moderna Museet in Stockholm befindet.

In der Luzerner Ausstellung 1973 ändert Paul Thek die Form eines solchen Altartisches um. Nicht der „Dwarf Parade Table“ war in der Ausstellung zu sehen, sondern ein langer Tisch mit blauem Tischtuch, ausgelegt mit 13 weissen Tellern und einer weissen (ausgestopften) Gans.

Susanne Neubauer