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Araberin
  • Hermann Huber
  • Araberin, 1911

  • Öl auf Leinwand
  • 60.2 x 73 cm
  • datiert und signiert oben Mitte: "XII 1911/H"
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der BEST Art Collection Luzern
  • Inv.-Nr. M 96.7x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,911
  • Jahr bis: 1,911
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Zusammen mit Albert Pfister und Eugen Meister bereist der Zürcher Hermann Huber zwischen Dezember 1911 und Januar 1912 Algier. Der später als führende Schweizer Expressionist geltende Künstler findet hier zu einem Farbauftrag, der pastoser und gelockerter erscheint als zuvor, und besonders in der einfachen Behandlung von Körper und Gesichtern ist ein Einschlag des Primitivismus zu erkennen.

"Araberinnen", die dem Œuvre des Schweizer Malers eine leicht exotistische Note verleihen, hat Huber in verschiedene Fassungen gemalt (vgl. Araberin, 1911, Kunsthaus Zürich). In der vorliegenden Version füllt die in die Bilddiagonale eingespannte Frau das Querformat fast gänzlich aus. Nahe an den vorderen Bildrand gerückt sitzt die Araberin mit übergeschlagenen Beinen und auf den rechten Arm aufgestützt in entspannter Haltung am Boden. Dem leicht zur Seite geneigten exotischen Gesicht mit den übergrossen Lippen und den mandelförmigen Augen haftet trotz maskenhaft einfacher Behandlung etwas Verträumtes, Schläfriges an. Im Zusammenhang mit dem einfachen, kraftvollen und breitflächigen Aufbau solcher Köpfe benutzt Hans Trog in seiner frühen Monographie des Malers den Ausdruck "Freskostil".

In der trägen Gestalt der Araberin klingt ausserdem etwas von dem nach, was Trog als "schweigsam" und "leidenschaftslos" in den Bildern von Hubers Jerusalemer Zeit umschreibt. Dies steht im seltsamen Kontrast zu den kräftigen, pastosen Farben, insbesondere zur energischen orange-violetten Schraffur, die den Bildraum in die Tiefe öffnet. Mit einem breiten, schwungvollen Pinsel fährt Huber der kurvenreichen Gestalt – Armen, Dekoltée, Haaren – nach. Daraus resultieren ein weich schwingendes Liniengefüge, das kaum harte Kanten produziert, sowie eine vereinfachte, dekorative Faltengebung. Beide werden zu wichtigen Merkmalen von Hubers Expressionismus, die mit der Algierreise ihren Anfang nimmt. Ausserdem scheinen sich Pinselspuren und dicke Farbwülste, wie sie hier hauptsächlich in Gesicht und Haar der Frauengestalt anzutreffen sind, zu verselbständigen und verstärken beim Betrachtenden den Eindruck einer geschnitzten, primitivistischen Maske. Daraus entsteht ein reizvolles Spiel von tatsächlich vorhandenem Relief und flächenhafter Wirkung.

Rückblickend wird Hubers expressionistische Schaffensphase als seine künstlerisch stärkste beschrieben. Seit 1911 ist er Mitglied der avantgardistischen Künstlergruppe "Der Moderne Bund" und nimmt an deren Ausstellungen teil. Ausserdem ist er mehrere Male mit Gemälden an der Berliner Secession vertreten. In diesen jungen Jahren kann Huber seine grössten Erfolge feiern.

Regine Fluor-Bürgi