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Autoscooter Garage II
  • Valérie Favre
  • Autoscooter Garage II, 2008

  • Öl auf Leinwand
  • 250 x 311 cm
  • bezeichnet, signiert und datiert verso, mit weisser Ölfarbe: "AUTOSCOOTER GARAGE N°2" und "VALERiE/FAVRE/2008"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 2010.5x
  • © 2010, ProLitteris, Zurich
  • Jahr von: 2'008
  • Jahr bis: 2'008
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur

In „Autoscooter Garage II“ (2008) fährt Valérie Favre ihr ganzes inszenatorisches Geschütz auf und orchestriert dieses zu einer so dichten Bildaussage, dass selbst die Malerei in ihrer Farbgebung und dunklen Tonigkeit buchstäblich 'undurchdringlich' erscheint. Im dramatischen Interieur einer überdimensionierten Scheune ist dicht gedrängt eine ganze Armee von Autoscootern abgestellt und harrt sozusagen dem Befehl zum Marschieren. Diese anonyme Masse von roboterähnlichen Maschinen nimmt angesichts der unter dem Scheunendach hängenden Machtembleme erst recht bedrohliche Züge an.

Die formalen und die motivischen Elemente dieses monumentalen Gemäldes befinden sich in einem ständigen Dialog. Das Bildgeviert wird einerseits von einer pyramidenförmigen Dreieckskomposition beherrscht, die sich ausgehend vom hell leuchtenden Giebelfenster entlang der Dachschräge bis zu deren Basis an der Bildunterkante fortsetzt, andererseits von drei horizontalen Bildstreifen: dem Bodenbereich mit dem Gewimmel der Chaisen, dem dank der Stromabnehmer ihnen zugehörigen Luftraum und schliesslich der oberen Bildhälfte, die von den Flaggen eingenommen wird. Zusammen mit der vertikalen Verjüngung zur Spitze des Dreiecks (des 'Auges Gottes') im Dachgiebel hin evoziert diese Schichtung eine hierarchische Ordnung. Die malerische Behandlung ist zwar so angelegt, dass die Motive in groben Kategorien benannt werden können, eine präzise Identifikation gerade der Flaggen beispielsweise ist aber nicht zu leisten, bzw. liegt gar nicht in der Intention der Künstlerin. Viel mehr drängt sich die Malerei als Selbstzweck in den Vordergrund, Valérie Favre nimmt das Motiv der Flaggen zum Anlass, ornamentale oder ganz abstrakte Flächen zu malen.

Aufgrund derartiger beabsichtigter Verunklärungen wie auch wegen ihrer ungewohnten Kontextualisierung, verfügen viele der Motive über einen ausgesprochen ambivalenten Gehalt. Die Autoscooter dienen in den Vergnügungsparks dem Gaudi des Publikums, wirken in der ausrangierten Form hier aber seltsam befremdend. Die Flaggen könnten sowohl Kriegsstandarten wie auch einfach Vereinsflaggen mit einer rein identitätsstiftenden Funktion sein. Allerdings kann auch eine solche bedrohliche Züge annehmen, man denke nur an die Flaggen von politisch extremen Gruppierungen oder Hooligans. Die Thematisierung von Machtstrukturen findet sich im Werk von Valérie Favre immer wieder, einmal visualisiert in ihrer aufmüpfigen Leitfigur, der 'Lapine', ein anderes Mal präsent in Form der latenten Beunruhigung, die von ihren märchenhaften Landschaften und Mischwesen ausgeht.

Peter Fischer