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Mein Herz ist frei (Basler Alphabet)
  • Aldo Walker
  • Mein Herz ist frei (Basler Alphabet), 1977-1979

  • Wandbild, Schablonen
  • variabel, 26 Teile
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 90.37x
  • © Nachlass Aldo Walker
  • Jahr von: 1,977
  • Jahr bis: 1,979
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography

Das „Basler Alphabet“ erinnert in seiner Anordnung von Bildzeichen an traditionelle Lehrmethoden des Alphabets für Kinder. Die Anfangsbuchstaben der deutschsprachigen Namen der Bildzeichen bilden die Abfolge des Alphabets. Die Zuordnung ist allerdings nicht didaktisch mit den Buchstaben verknüpft. Es sind nacheinander folgende Bildzeichen: „Anker, Bügeleisen, Coca Cola, Dornenkrone, Ente, Feuer, Glühbirne, Hörner, Insignien, Jacke, Kissen, Lampe, Melone, Nudelholz, Odol, Palette, Quadrat, Radio, Schlange, Taburett, Uhr, Vogel, Wurst, X-Beine, Yankee Doodle und Zopf.“ Aus der Abfolge der Bildzeichen ist ersichtlich, dass es sich in gewisser Weise um eine zufällige Wahl handelt, die mehr oder weniger zueinander in Beziehung steht. Es sind keine Prototypen, wie es für ein Alphabet angemessen wäre. Teilweise sind es bestimmte Marken wie Coca Cola oder Odol, die in eine eigene Kultur eingebettet sind. Aus der Reihe fällt ebenfalls der Wortlauf „Yankee Doodle“, der gar kein Bildzeichen ist, sondern selbst aus Buchstaben besteht. Der Betrachter ist beim „Basler Alphabet“ auf sich gestellt, ganz anders als bei der durch das Alphabet vorgegebenen, allgemeingültigen Regel.

Aldo Walker stellt in seinen Arbeiten Bildzeichen in Relation zum System der Sprache – das Alphabet kann hier als Ausgangsbasis verstanden werden, das wie ein Code bestimmte Regeln vorgibt. Die Spannung, die zwischen der Bilderwelt und der Logik der Sprache entsteht, gleicht den Sprachspielen von Ludwig Wittgenstein, in denen unzählige Arten des Zeichen-, Wort- und Satzgebrauchs untersucht werden. Bereits im Titel wird das Spannungsverhältnis zwischen der Vorgabe des Alphabets und seiner Abweichung von der Norm im Epitheton „Basler“, das den Ort der Entstehung – die Ausstellung „Perspektive ´79“ an der Art Basel – nennt, sowie die emotionale Äusserung „Mein Herz ist frei“ angedeutet. Der Wortlaut erinnert an das bekannte Volkslied „Meine Gedanken sind frei“, in dem die Freiheit des Denkens – die so oft von Aldo Walker gefordert wird – besungen wird.

Annamira Jochim