deutschenglisch
similitude
  • André Thomkins
  • similitude, 1947

  • Gouache, Bleistift und Tusche auf Papier
  • 28.9 x 19.9 cm
  • signiert und datiert unten rechts: "André Thomkins 1947"; unten links: "- similitude -"
  • Kunstmuseum Luzern, Eigentum der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Gottfried Keller-Stiftung, Bern
  • Inv.-Nr. E 87.48y
  • © 2007, ProLitteris, Zurich
  • Jahr von: 1'947
  • Jahr bis: 1'947
Werkbeschrieb
Provenienz
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Literatur
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Die mit Feder und Gouache ausgeführte Arbeit "similitude" zählt zu einem der frühesten Blätter Thomkins. Sie wird von einem Figurenpaar dominiert, das sich vom in Rottönen gehaltenen Hintergrund deutlich absetzt. Auf den Schultern der stehenden korpulenten Rückenfigur hockt, so scheint es auf den ersten Blick, ein kleines nacktes Wesen mit teils affenähnlichen Zügen. Beim genaueren Hinsehen jedoch stellt man die Verfremdung fest: Das Wesen sitzt nicht auf den Schultern der stehenden Figur, sondern berührt mit dem Gesäss dessen Kopf. Es stützt sich mit zwei muskulös ausgebildeten Armen oder Beinen und Händen mit spitzigen Fingernägeln wie ein Turner im Handstand auf den Schultern der stehenden Figur ab. Die seitlich herausragenden Gliedmassen verleihen der Gestalt zusätzlich ein surreales Aussehen.

Thomkins spielt hier mit dem gestalterischen Mittel der Verfremdung und der Täuschung. Dazu trägt auch das bewusste Verletzen der Proportionsregeln bei. Ungleich ausgebildet sind die verdrehten Arme und Hände der Ganzfigur: Überdimensioniert lang und kräftig der eine Arm, kurz und dünn der andere. Ausserdem ist das feine zierliche Gesicht im Seitenprofil im Vergleich zur Postur des Mannes proportional viel zu klein. In dieser Arbeit sind bereits manieristische Strukturen angelegt und der Hang zum Absurden, zum Grotesken, der später immer wieder in Thomkins Werken auftaucht, ist spürbar.

Der Bildtitel "similitude" suggeriert Ähnlichkeit, Übereinstimmung. Sind damit die verdrehten Gliedmassen gemeint? Ist es der Seitenblick der beiden Dargestellten nach rechts? Sind es die tierisch-menschlichen Anspielungen? Oder spielt Thomkins hier auf die Redewendung „jemandem aufsitzen“ an? Thomkins Bildtitel verstehen sich oft als Kommentare zum Bild, die zwar für die Betrachtenden ein grosses Assoziationsfeld öffnen, doch im Grunde rätselhaft, doppeldeutig und nicht immer verständlich bleiben.

Cornelia Ackermann