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Ohne Titel
  • Aldo Walker
  • Ohne Titel, 1982

  • Dispersion auf Nessel
  • 178 x 127 cm
  • signiert und datiert verso, mit weisser Farbe: "Walker 82"
  • Kunstmuseum Luzern, Schenkung des Kantons Luzern
  • © Nachlass Aldo Walker
  • Jahr von: 1,982
  • Jahr bis: 1,982
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Aldo Walker (1938-2000): ohne Titel (1982), Dispersion auf Nessel, 178 x 127 cm
Dieses Bild zeigt zwei Arm- und Beinpaare, sowie zwei weisse Masken, bei denen lediglich die Augen zu erkennen sind. Trotz der deformierten Anordnung und den abstrahierten Formen ‹bauen› sich die Betrachterin und der Betrachter intuitiv zwei menschliche Körper zusammen, von denen der eine auf den Schultern des anderen steht. Die Linienführung besitzt alle Charakteristika der frühen Phase von Walkers «intermolekularen Linienmalerei» (Stefan Banz). Erstens sind die Formen vorher gefertigten Schablonen nachgezeichnet, wobei manche davon – teilweise leicht abgeändert – mehrfach verwendet werden; man beachte die oberen Arm- und Beinpaare, das untere Beinpaar sowie die Masken. Dadurch entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen Variation und Repetition sowie zwischen Individualität und Objektivität. Zweitens sind die einzelnen Formen nicht zusammengefügt, sondern aneinandergereiht. Keine der Linien berührt eine andere oder kreuzt sich mit einer anderen. Sie stehen für sich betrachtet offen im leeren Raum, was es umso erstaunlicher macht, dass man intuitiv einen menschlichen Körper erkennt. Drittens ist sowohl den einzelnen Formen, als auch dem Gesamten als Zeichen fast jeglicher Inhalt entzogen. Farbgebung und Form sind minimal, die Gestik lässt nur wenig Emotion erahnen und die Mimik wird gar nicht gezeigt. Das Bild ist handlungs-, gesichts-, geschichts- und damit zeitlos. Nur der jeweilige Akt der Betrachtung und der damit einhergehende, subjektive Prozess von Erkennen des Bekannten (der menschlichen Körper) und Kritik durch das Verfremdete (die Abstraktion, die Linienführung und Inhaltslosigkeit) vermag diese Lücke zu füllen.

Jan Miotti